Es ist nur einervon vielen Titeln - aber ein besonderer neben der Meisterschaft mit dem FC Tirol, dem Supercupsieg mit Austria Wien, dem WM-Titel oder dem Confed-CupGewinn mit der DFB-Auswahl. Dazu gesellen sich persönliche Titel, wie Welttrainer oder Träger des Bundesverdienstkreuzes. Herr Löw, haben Sie Sebastian Hoeneß schon gewarnt? Sollte ich das? Und wovor? Dass ein DFB-Pokal-Sieg der Frisur schadet. (lacht) Ich denke, er kennt die Bilder von damals. Als man Ihnen den Kopf gewas so ein Titel bedeutet. Träume werden wahr. Nicht nur rund um diesen Moment, sondern auch für folgende Generationen. Für jeden Einzelnen, für den Verein, die Stadt oder ein ganzes Land. Wäre ohne den Pokal Ihre Erfolgsgeschichte auch möglich gewesen? Für mich als Neuling, der als Cheftrainer ins kalte Wasser geworfen wurde, ohne Bundesliga-Erfahrung, DFB-POKAL schoren hat, haben Sie gelacht. Gute Miene zum bösen Spiel? In diesem Moment habe ich es natürlich relativ locker genommen. Es war schließlich ein Versprechen. Im Winter waren ein paar Jungs mit kurz geschnittenen Haaren ins Training gekommen. Ich habe mir einen Spruch erlaubt und wurde am Ende aufgefordert, es nachzumachen. Das Ganze endete im Versprechen, dass ich mir die Haare schneiden lasse, wenn wir einen Titel holen. Das hatten sie leider nicht vergessen. (lacht) Keine Chance, zu entkommen? Im ersten Moment der Freude über den Pokalsieg habe ich es noch relativ locker genommen. Später, als ich die Bilder gesehen habe, war es mir schon eher peinlich (lacht). Zum Glück kam die Sommerpause, mit der ich diese Zeit überbrücken konnte. Wo in der Galerie Ihrer Titelsammlung ist der DFB-Pokal-Sieg anzusiedeln? Da gibt es keine Rangliste. Der Pokalsiegwar aber kein gewöhnlicher Titel, weil es mein erster war. Ein wunderbares Gefühl wie beim WM-Titel, der nicht nur mir beziehungsweise uns pure Freude bereitet hat. Ich kann mich noch erinnern, wie die Augen der Menschen, denen ich in der Folgezeit begegnet bin, geleuchtet,jagestrahlt haben. Dieses tiefe, gemeinsame Glück ist unbeschreiblich. Erst da habe ich wirklich realisiert, war das ein herausragender Einstieg. Der Pokalsieg hat mir Selbstvertrauen gegeben, hat mir gezeigt, was möglich ist. Er war Befreiung und Bestätigung zugleich. Damals gegen Cottbus wie heute gegen Bielefeld ist der VfB Favorit. Wie bereitet man sich auf ein solches Spiel vor? Als Trainerversucht man, den Ablauf so normal wie möglich zu gestalten. Mit einer weitgehend normalen Trainingswoche, in der man sich nicht nur körperlich, sondern auch mental auf den Gegner einstellt. Man versucht, die eigenen Fähigkeiten und Stärken hervorzuheben und den Trubel um die Mannschaft herum so gut es geht abzuschirmen. Eigentlich ist es aber nicht sehr viel anders als vor jedem anderen Pflichtspiel. Ist die Anspannung vor solch einem Spiel nicht größer als sonst? Der Pokal ist eine Fehler, und man ist raus. Wir hatle hohe Hürden Natürlich waren wir angespannt vor dem Spiel. Aber wir hatten uns akribisch darauf vorbereitet und konnten, dazu auf neutralem Platz vor 80000 Zuschauern, unsere Qualitäten ausspielen. Wir hatten die Partie gegen Cottbus unter Kontrolle. Im Gegensatz zu den genannten Partien davor. Erwarten Sie jetzt Ähnliches? lange Reise. Ein „Das Finale damals war vielleicht unser ten bis zum Fina- leichtestes Spiel." zu überwinden. In der 1. und 2. Runde sowie im Pokal-Viertelfinale ging es gegen Fortuna Köln, Hertha BSC und den SC Freiburgjeweils ins Elfmeterschießen. In Berlin hatten wir nach 80 Minuten zwei Platzverweise kassiert, mussten in die Verlängerung und ins Elfmeterschießen, in dem sogar unser Torwart Franz Wohlfahrt geschossen hat. Im Finale hatten wir vielleicht sogar unser leichtestes Spiel. Obwohl eine Niederlage einer Blamage gleichgekommen wäre? Man sollte gewarnt sein. Die Arminen haben großartige Leistungen gezeigt. Das hatte ihnen wirklich niemand zugetraut. Von daher ist so eine Mannschaft, die sagenhafte Fans mitbringen wird, immer ernst zu nehmen. Was muss man unbedingt vermeiden? Wenn man dem Gegner ein paar gute Aktionen zugesteht, er an Selbstvertrauen gewinnt und seine Nervosität ablegt, kann er über sich hinauswachsen. Ichglaube aber: DerVfB weißdies mit seiner Qualität zu verhindern. Es heißt, Sie wollten 1997 Giovane Elber auf die Bank setzen, weil er zum FC Bayern wechselte. Was habe ich? Ganz sicher nicht. Nein, nein, nein, nein! Giovane war einer der besten Spieler der Bundesliga und extrem wichtig für uns. Es heißt sogar, er habe Sie überreden müssen, ihn aufzustellen. Das müsste ich wissen. Ich glaube, da wird etwas durcheinandergeworfen. In den Medien wurde spekuliert, ob ich Giovane aufstellen soll oder nicht. Darauf hat er mich angesprochen. Aber das war nie ein Gedanke. Giovane war unersetzlich für uns. Sein Abschied war das Ende des magischen Dreiecks. Das Ende einer Erfolgsgeschichte.Wie geht es mit dem VfB Stuttgart diesmal weiter? Die damit verbundene Teilnahme an der Europa League ist für die Zukunft des Vereins wichtig. Ein Pokalsieg stärkt zudem den Glauben an die eigenen Fähigkeiten. Die Mannschaft ist in den vergangenen zwei Jahren gewachsen und gereift. du hat tollen Fußball gespielt. Diese Titel unterstützt werden und dem Klub einen weiteren Schub verleihen. INTERVIEW: GEORGE MOISSIDIS
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